Fakten

    Gewalt gegen Frauen und Mädchen

In der Vergangenheit hat sich bereits gezeigt, dass sich das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt in Krisensituationen erhöht. In der Corona-Krise verschärft die Kombination aus wirtschaftlichen Schäden und sozialer Isolation die Gefahr häuslicher Gewalt. Frauen haben aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen im Zuge der Quarantäne-Maßnahmen nun weder die Möglichkeit, sich an Freund*innen oder Verwandte zu wenden, noch Zuflucht in Frauenhäusern zu suchen und sind so gezwungen, bei ihren gewalttätigen Partnern zu bleiben. Damit sind sie einer doppelten Gefahr ausgesetzt. Verstärkt wird dies auch durch die erhöhte ökonomische Abhängigkeit aufgrund von plötzlicher Arbeitslosigkeit.

In einer Reihe von Ländern sind Anrufe bei Hilfetelefonen gegen häusliche Gewalt um 25-500 % Prozent angestiegen. Diese Zahlen dürften auch nur die schlimmsten Fälle widerspiegeln. Vor der Pandemie suchten weniger als 40 Prozent der Frauen, die Gewalt erlebten, Hilfe jeglicher Art.

Die UN rechnet mit 31 Millionen zusätzlichen Fällen von häuslicher Gewalt, wenn der Lockdown sechs Monate anhält.

In Deutschland kommt eine repräsentative Studie der Technischen Universität München zu dem Ergebnis, dass 3% der Frauen in Deutschland in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen im April 5 Opfer von körperlicher Gewalt wurden, 3,6% wurden vergewaltigt oder zum Geschlechtsverkehr genötigt und 3,8% der Frauen fühlten sich bedroht. Waren die Frauen in Quarantäne oder hatten die Familien finanzielle Sorgen, lagen die Zahlen deutlich höher. Nur ein sehr kleiner Teil der betroffenen Frauen nutzte Hilfsangebote.

Durch Verdienstausfälle entsteht für viele Familien eine finanzielle Notsituation, die die Abhängigkeit von Frauen noch verstärkt und in extremen Fällen zu Menschenhandel, Zwangsprostitution oder Zwangsheiraten führt.

Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren sind von diesen schädlichen Praktiken am stärksten bedroht. Schätzungsweise vier Millionen Mädchen sind aufgrund der Pandemie in den nächsten beiden Jahren von einer Kinderheirat bedroht.

Der Kampf gegen FGM wurde durch die Pandemie unterbrochen oder eingeschränkt. Dies kann schätzungsweise 2 Millionen zusätzliche Fälle bedeuten.


    Armut

Die Pandemie wird bis 2021 schätzungsweise 96 Millionen Menschen in extreme Armut stürzen wird, 47 Millionen davon sind Frauen und Mädchen. Das wäre der erste Anstieg von Armut seit 1998. Schätzungsweise kommen 2030 auf 100 Männer in extremer Armut 121 Frauen (im Vergleich zu geschätzten 118 Frauen auf 100 Männern im Jahr 2021); die geschlechtsspezifische Armutskluft wächst also. Dadurch wird sich die Gesamtzahl der in extremer Armut lebenden Frauen und Mädchen auf 435 Millionen erhöhen.


    Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Da Gesundheitssysteme mit der Bekämpfung des Virus häufig ausgelastet bzw. überlastet sind, ist der Zugang zu sexuellen und reproduktiven Dienstleistungen für Frauen und Mädchen häufig eingeschränkt. Dazu gehören die Gesundheitsfürsorge vor und nach der Geburt, Dienstleistungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die lebensrettende Versorgung und Unterstützung von Überlebenden geschlechtsspezifischer Gewalt. Dies kann u.a. einen Anstieg der Mütter- und Kindersterblichkeit zur Folge haben.



Verdienstausfälle und ein geringeres Haushaltseinkommen erschweren Frauen zusätzlich den Zugang zu Menstruationsprodukten und Verhütungsmitteln, ebenso durch die Pandemie verursachte Versorgungsengpässe. Hinzu kommt, dass es aufgrund der Ansteckungsgefahr und der Lockdowns in vielen Fällen nicht möglich ist, Gesundheitsdienstleister*innen aufzusuchen, um Zugang zu Verhütungsmitteln zu erhalten oder Schwangerschaften abzubrechen. UN-Schätzungen zufolge könnte die Corona-Krise zu 7 Millionen ungewollten Schwangerschaften führen.
    Bildung

Ende März 2020 besuchten schätzungsweise mehr als 89 Prozent der weltweiten Schüler*innen und Studierenden [link] aufgrund von COVID-19 keine Schule oder Universität mehr, darunter fast 743 Millionen Mädchen. Über 111 Millionen dieser Mädchen leben in den ärmsten Ländern der Welt, in denen der Zugang zu Bildung bereits vorher stark eingeschränkt war.

Schätzungsweise 11 Millionen Mädchen werden nach Wiederöffnung der Schulen ihren Schulbesuch nicht fortsetzen.


    Arbeit

Eine Studie in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und den USA hat gezeigt, dass Frauen durch die Corona-Pandemie in der Woche 15 Stunden mehr Care-Arbeit leisten als Männer. Diese zusätzliche Belastung wirkt sich auf die psychische und physische Gesundheit, ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt sowie ihre politische Teilhabe aus.





Aufgrund ihrer schwächeren Position auf dem Arbeitsmarkt sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie für Frauen härter als für Männer. Frauen sind beispielsweise unter den informell Beschäftigten überrepräsentiert, d.h. in Berufen, die häufig keinen sozialen Schutz bieten. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) [link] haben bis Juni 2020 schätzungsweise 72 % der Hausangestellten weltweit infolge von COVID-19 ihren Arbeitsplatz verloren.

Vor allem Frauen arbeiten in den Unternehmen und Sektoren, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie am härteste getroffen wurden, beispielsweise in der Textil- und Tourismusbranche. Ein großer Teil der Unternehmen, die sich im Besitz von Frauen befinden oder von Frauen geleitet werden, sind Kleinst-, Klein- und mittelständische Unternehmen, die über geringere finanzielle Ressourcen und begrenzten Zugang zu öffentlichen Mitteln verfügen.